Logo Christliches Gymnasium Jena

Bildkommentar zu Hölderlin „Lebenslauf“

Anlässlich des 250. Geburtstages von Friedrich Hölderlin gab es ein Online-Leseprojekt, das schon vor der Coronakrise begann. Bei meiner Beschäftigung mit Hölderlins Gedicht "Lebenslauf" habe ich immer neue interessante Lesarten entdeckt, die sehr von der Spezifik der aktuellen Situation beeinflusst wurden. Bei ihm ist es die Liebe, die alles niederzwingt, bei uns scheint es der Virus zu sein. 

Hölderlin hatte kein einfaches Leben, schlug sich als Dichter eher schlecht als recht durch, musste immer wieder Hauslehrerstellen annehmen und war mehrfach unglücklich verliebt, was ihn in tiefe Lebenskrisen stürzte. Deshalb seine Verse: "...aber die Liebe zwingt all uns nieder..".

Eigentlich ist die Liebe das, was uns trägt und hält, was niemals vergeht, woraus wir immer neue Kraft schöpfen können. Schaut mal in der Bibel nach im Hohelied der Liebe1Korinther13. An vielen Stellen der Bibel gibt es Texte zur Liebe. Lasst sie uns aufspüren, teile, lesen. Damit die Liebe nie aufhöre...

 

Auch wenn alles einmal aufhört -

Glaube, Liebe und Hoffnung nicht.

Diese drei werden immer bleiben; 

und am höchsten steht die Liebe.  1Korinther13.13

 

Und nun schaut euch mal aufmerksam die letzte Strophe an.

So wie ich in der 1. Strophe den Widerstand zu Hölderlins Aussage in mir spüre, so stimme ich ihm hier zu:

kräftig genährt - das könnte auch unsere Wohlstandsgesellschaft meinen, 

danken lernen für alles, ja, das merken wir vielleicht jetzt besonders, die Dankbarkeit für die einfachen Dinge wächst mit der Verschlechterung der  Situation. 

Und dann die letzten Verse, in denen  von Freiheit die Rede ist, von 

aufbrechen-wohin man will..... Damit ist nicht nur die Ausgangssperre gemeint, sondern auch, was danach kommt. 

Wohin brechen wir nach dieser Krise auf? 

Machen wir einfach so weiter oder lernen wir daraus? 

Probieren wir andere Wege? 

Wege, die für unsere Gemeinschaft und unser Klima besser sind? 

 

Spinnt den Gedanken mal weiter, wie soll es nach Corona weiter gehen in unserer Gesellschaft?

Wie wollen wir dann leben? 

Was brauchen wir wirklich? 

Was macht uns glücklich? 

 

Mit diesen Fragen schicke ich euch meinen Hölderlin. 

Und ich frage dich, wenn du bis hierher gelesen hast: 

Was inspiriert dich in diesen Tagen? 

 

Mit herzlichen Grüßen

Heidrun Schrade